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Symposium über die Sakramentale Grundstruktur der Kirche und ihrer Dienste und Ämter

Symposium der Katholischen Akademie Bayern vom 3.-5.April 2019

Das Podium beim Symposium in München (von links nach rechts: Diakon Dr. Norbert Hark, Regens Markus Magin, Pastoralreferent Martin Holzer-Kindlinger, Bischof Dr. Franz-Josef Bode, Weihbischof Algirdas Jurevičius aus Litauen, Dipl.Psych. Margarete Kümpel, Prof. Josef Freitag) © MS Die Entwicklung der Ämter und den Diakonat im Blick

Zu diesem Symposium konnten viele namhafte Referenten gewonnen werden, die das Thema aus verschiedenen Blickwinkeln profund und anregend für ein Weiterdenken bearbeiteten: Dr. Viera Pirker aus Wien brachte aus pastoralpsychologischer Sicht ihre Gedanken zu „Amt und Identitätsbildung“ ein. Mit Prof. em. Michael Theobald aus Tübingen und Prof. Thomas Söding aus Bochum waren zwei Bibelwissenschaftler geladen, die sich auf biblische Spurensuche begaben und die Ämterfrage und Aufbrüche zum Verständnis des kirchlichen Dienstes aus der Quelle des Neuen Testaments erschlossen. In einem Podium mit dem Referenten und dem Osnabrücker Diözesanbischof Dr. Franz-Josef Bode und der evangelischen Theologin Prof. Anni Henschel wurde das Thema vertieft und begrifflich präzisiert, z.B. in der Frage der Grundbedeutung des Wortes „Dienst“.

Am zweiten Tag startete das Symposium am Morgen mit drei weiteren Referaten: Prof. Dorothea Sattler aus Münster richtete ihren Blick auf den ökumenischen Dialog und machte die Enge mancher römischer Dokumentation deutlich, in der die Sprache Politik machen und Wahrheiten verschleiern kann. Prof. Gregor Predel aus Fulda sprach aus dogmatischer Sicht über das Zweite Vatikanische Konzil und die sakramentale Sendung vor den Strukturen, auf der Basis des 30.Kapitels der dogmatischen Konstitution Lumen Gentium. Er stellte heraus, dass immer wieder miteinander Kriterien für die strukturelle Gestaltung entwickelt werden müssen. Der Fundamentaltheologe Prof. Matthias Reményi aus Würzburg sprach in seinem Vortrag zu „Kirche, Amt und Sakramentalität“ auch über die gegenwertige Krise der Kirche, die scharfsichtig machen sollte und uns im Blick auf die Gefahr des Bedeutungsverlustes von Sakramentalität anspornen müsste, das Amt im Zusammenhang mit den Sakramenten der Kirche weiterzuentwickeln.

In verschiedenen Arbeitskreisen wurden die Gedanken, Erfahrungen und Überlegungen der Symposiumsteilnehmer am Nachmittag gebündelt. Weil die Mehrzahl der Teilnehmer Ständige Diakone waren, gab es eine Arbeitsgruppe um Diakon Dr. Norbert Hark, der seit dem Jahr 2015 eine empirische Studie über Diakone im Zivilberuf durchgeführt hat. Des Weiteren gab es Arbeitsgruppen zu dem Thema „Kirche der Zukunft“ auf Basis der Publikation „Gemeinsam Kirche sein“ (2015) der Deutschen Bischofskonferenz und zum Thema „Kirchlicher Dienst und gesellschaftliche Resonanz“.

Mit Prof. Adrian Loretan war aus Luzern ein Kirchenrechtler angereist, der in seinem Vortrag speziell auf die menschenrechtliche Sicht zum Konzil und den Codes Iuris Canonici von 1983 einging, und dabei auch das Thema des Diakonats der Frau ansprach. Gerade im Blick auf die aktuelle Diskussion meinte er, man könne mit den Wirkweisen des Rechts arbeiten und damit weiterdenken, es gehe nicht um Notlösungen sondern um eine Weiterentwicklung des Konzilsgedankens ohne den permanenten Schatten der Diskriminierung.

Der Pastoraltheologe Prof. Rainer Bucher aus Graz widmete sich sprachlich sehr dicht und präzise dem Thema „Sakramentalität und Macht in einer kommenden Kirche“. Es funktioniere nicht mehr, die eigenen Sehnsüchte als ein Bild von Kirche zu nehmen. Die Verkündigung des Evangeliums könne nicht nur an Fantasien gebunden werden, die man selber mag. Der Mißbrauchskandal, die Krisen in der Kirche seien auch mit Demütigungserfahrungen verbunden, die Religion dramatisch verändert. Prof. Bucher prägte den Begriff des „kulturell hegemonialen Kapitalismus“, der die Sehnsuchtsproduktion und die Wunscherfüllung steuern würde, der in heutiger Zeit Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen eher bedienen würde als das die Kirchen tun. Es ginge in der Zukunft darum, Kirche so weiterzuentwickeln, dass sie sich ihrer geistlichen und theoretischen Ressourcen bewusst wird, sich nicht nur mit "angezogener Handbremse" um die Altlasten eines kollabierenden Klerikalismus kümmern, sondern sich einer radikalen und pastoralen Aufgabenentwicklung widmen sollte.

In einer weiteren Podiumsveranstaltung ging es um „Gemeinsam Kirche sein“, hier vor allem fokussiert auf die Ämterfrage und die Berufe in der Kirche sowie auf die Erfahrbarkeit des Heiligen, z.B in der Eucharistie als Quelle und Höhepunkt christlichen Lebens. Podiumsteilnehmer waren Diakon Dr. Norbert Hark aus Katzenfurt, Regens Markus Magin aus Speyer, Pastoralreferent Martin Holzner-Kindlinger aus München, Bischof Dr. Franz-Josef Bode aus Osnabrück, Weihbischof Algirdas Jurevičius aus Kaunas (Litauen), Dipl. Psychologin Frau Margarete Kümpel, Referentin für pastorale Einsatzplanung und -begleitung im Erzbistum Berlin und Prof. Josef Freitag, Spiritual im Studienhaus St.Lambert in Lantershofen. Es wurde deutlich, dass das Zusammenspiel von sogenannten Hauptamtlichen und freiwilligen Diensten immer wichtiger wird. Neuaufbrüche z.B. in Litauen, wo es zeitweise für Laien verboten war, sich einzubringen, geben positive Beispiele (Jurevičius). Die Dienste müssten situativ und charismenorientiert beschrieben und nicht auf Defizite hin ausgeschrieben werden (Hark). Es ginge nicht darum, um ein bestimmtes Amt zu kämpfen sondern vielmehr um die Kompetenz, die die einzelne Person braucht, um anderen vermitteln zu können, wer Gott in seinem oder ihrem Leben sein könnte (Kümpel). In den Gemeinden müsste noch deutlicher kommuniziert werden, dass Laien einen Auftrag in der Kirche haben, das Messen mit zweierlei Maß im Vergleich von geweihten Diakonen und Laien bezüglich der Wortverkündigung muss ein Ende haben (Holzner-Kindlinger), alle seien Träger der Berufung (Magin). Prof. Freitag sprach in seinem Statement von Spannungen, unter denen Menschen im kirchlichen Dienst leiden, Verletzungen, die prägend sind. Viele in der Verkündigung würden nicht mehr „brennen“, würden stehenbleiben, statt weiterzugehen. Dabei sei aber auch der persönliche Glaubenszugang wichtig, weil man nur das wissen und weitergeben könne, was man aus eigener Erfahrung leben würde. Wenn uns die Tradition, wie derzeit spürbar, aus der Hand genommen ist, gilt es, sich neu vom Leben und der Botschaft beschenken zu lassen. Dem Relevanzverlust der Eucharistie könne nicht gegengesteuert werden, wenn die Eucharistie als Monopol missbraucht wird. Wichtig ist die Unterscheidung von qualitativer und quantitativer Relevanz von Eucharistie: qualitativ sollte sie mehr mit Verkündigung verbunden sein, in der eigenes Denken und die Sehnsucht, selbst verwandelt zu werden, vorausgesetzt ist. Doch würde man das wirklich wollen, selbst verwandelt zu werden, fragte Prof. Freitag. Frau Margarete Kümpel ergänzte das Statement mit dem Hinweis, es ginge nicht um die Frage, wie wir die Menschen in die Eucharistie bringen würden, sondern darum, wie wir für die Menschen da sind oder nicht.

In dem letzten Vortrag „Kirche mit Zukunft“ verwendete der Osnabrücker Diözesanbischof Dr. Franz-Josef Bode das alttestamentliche Bild vom Kampf Jakobs mit dem Fremden, der sich als Engel herausstellt (Gen 32,23-33).

von Michael Schofer