Aktuelles

Geweiht zum Dienen: Der Diakon

Prlat Hans-Dieter Michel, emeritierter Bischflicher Beauftragter fr die Stndigen Diakone, ber Amt und Aufgaben

In der Wahrnehmung der Glubigen war der Diakonat jahrhundertelang als Vorstufe zum Priesteramt gesehen, zum Einben in das Eigentliche des Weiheamtes. 

Seit dem Zweiten Vatikanum hat das Diakonenamt allmhlich wieder sein biblisch, frhkirchliches Eigenbild bekommen. Biblisch verankert ist er in der Fuwaschungsszene im Abendmahlssaal (Joh. 13,1ff.) als Jesus nmlich begann, den zwlf vllig berforderten Jngern die Fe zu waschen. Petrus wehrt sich gegen diese Umkehrung jdischer Rabbi-Schler-Beziehung.

Dann kommen entscheidende Worte Jesu: „Wenn ich dich nicht wasche, hast du keinen Anteil an mir“ (Joh. 13,8b), und „Ein Beispiel habe ich euch gegeben, damit auch ihr so handelt“ (Joh. 13,15). Diese letzten Worte Jesu, ebenso wie die Worte beim Abendmahl, haben testamentarischen Charakter. So will er Kirche! Somit ist der diakonale Charakter der Nachfolge Christi von ihm selbst festgeschrieben. Theologisch auf das dreigliedrige Weiheamt bezogen, knnte man zusammengefasst sagen, innerhalb des einen Weiheamtes kommt dem Diakonat die Aufgabe zu, durch die Konzentration auf die Praxis der Nchstenliebe und das Wirken von Zeichen, der Barmherzigkeit, das Nahe sein des Reiches Gottes zu verknden. Durch die Nhe bei den Kranken und Armen, den Vergessenen und Leidenden, erinnert der Diakon daran, dass das Evangelium zuerst frohe Botschaft fr die Armen ist.

Er wird also nicht geweiht, damit er liturgische Dienste bernimmt und den Pastor an bestimmten Stellen ersetzt, sondern er wird geweiht, damit in der Kirche dieser heilige Ursprung nie vergessen wird. Das unauslschliche Prgemal, das durch die Weihe verliehen wird, sodass, wer Diakon ist, es auch immer bleibt, ist ein Prgemal des Dienstes, ist die endgltige Platzanweisung im Leibe Christi, der Kirche.

Natrlich bedeutet das immer auch einen Dienst im Verborgenen, immer einen Schritt zurckzutreten, nie sich nach vorne schieben zu wollen, nie einen Dienst zu bernehmen als Gratifikation fr hervorragendes Wirken in der Kirche. Deshalb ist das 
Diakonenamt nie die Bhne fr die Darstellung der Wichtigkeit der eigenen Person. Es ist immer Darstellung des Dienstes Jesu, des Diakons schlechthin.

Aus diesem Grunde haben wir bei der Erneuerung der 
Diakonenausbildung und -fortbildung darauf Wert gelegt, diese sozial-diakonische Profilierung des Diakonates weiter zu qualifizieren. 

Der Dienstort des geweihten Amtstrgers ist somit zu allererst an der Peripherie in der Gemeinde zu sehen. Will man es idealtypisch weiterdenken, erwchst sein liturgischer Dienst immer aus der Bezogenheit zum Diakonalen: Wenn er die Menschen besucht, die wenig oder keinen Kontakt mehr zur Kirche haben, wenn er sich um arbeitslose Mitmenschen sorgt, um die neu Zugezogenen, manchmal Entwurzelten, wenn er Kranken und Sterbenden beisteht – aus all den gewonnenen Beziehungen erwchst mitunter organisch der Dienst der Taufe, der Eheschlieung, der Krankenkommunion, der Beerdigung etc. Immer in Einheit mit dem gesamten Pastoralteam.

Ein frhes Dokument als Zeugnis einer syrischen Kirchenordnung des fnften Jahrhunderts sagt es so: „Der Diakon tut und teilt nur das mit, was der Bischof ihm auf-trgt. Er ist so etwas wie das Sinnbild der ganzen Kirche. Er pflegt die Kranken, kmmert sich um die Fremden, ist Helfer die Witwen. Vterlich nimmt er sich der Waisen an. Und er geht in den Husern der Armen aus und ein um festzustellen, ob es niemanden gibt, der in Angst, Krankheit und Not geraten ist. Er geht zu den Katechumenen in ihre Wohnungen um den Zgernden Mut zu machen und die Unwissenden zu unterrichten. Er bekleidet und schmckt die verstorbenen Menschen, er begrbt die Fremden, er nimmt sich derer an, die ihre Heimat verlassen haben oder aus ihr vertrieben wurden. Er macht der Gemeinde die Namen derer bekannt, die der Hilfe bedrfen.“ Liturgie setzt somit immer die Diakonie voraus. Das vornehmste Kleidungsstck des Diakons ist nach Joh. 13,1ff. die Schrze.

Liturgie im Handeln eines Diakons ist immer die Hineinnahme der konkret erlebten Alltagsnte der Menschen in die sakramentale Herzmitte der Kirche, besonders der Eucharistie. Wenn er hinter dem Priester steht, heit es nicht, dass der Grad der Weihe geringer wre, sondern das Stehen am Rande symbolisiert den Rand der Gemeinde von dem er ausgeht. Wenn er die Hostienschale dem Priester reicht, ist dies keine bessere Ministrantenfunktion, sondern er bergibt dem Priester die gesamte Alltagsnot der Gemeinde Jesu, damit er sie dem Vater aufopfert. Ebenso wenn er den Kelch bereitet, den Tropfen Wasser in den Kelch giet, auf das sich bei der Wandlung die Gottheit Christi mit unserer menschlichen Natur verbindet, dann giet er metaphorisch den Durst der Menschen nach Liebe, Anerkennung, Treue, Gerechtigkeit, nach Arbeit und Frieden in den Kelch, auf dass der Priester nicht vergisst, dies dem Vater aufzuopfern.

Wenn er am Ende sagt: „Gehet hin in Frieden“, so mag das manchem als eine Verdoppelung der Friedenswnsche vorkommen. In der lateinischen Messfeier sagt er: „Ite missa est.“ Das heit: „Gehet, es ist Sendung. Jetzt seid ihr dran. Nehmt die eucharistische Wirklichkeit mit in euren Alltag. Seid auch ihr dort Diakone.“ 

Der dreifache Dienst der Diakone: Der Dienst des Diakons verwirklicht sich erstens im Beruf. Er heit Diakon im Zivilberuf. Zweitens in der Ehe und Familie und drittens in der Gesamtgemeinde. Seine Ehefrau, sofern er nicht zlibatr lebt, hat groen Anteil an der Sendung ihres Gatten. Nur im vollen geistlichen Ja zur Weihe kann Weihe erfolgen und Diakonat gelingen. Die gelebte eheliche Treue, die mittragende und mitunter auch ertragene Vater-Kinder-Beziehung ist immer ein echter diakonaler Gemeindebaustein. Das wird oft gar nicht hinreichend gewertet. Deshalb beziehen wir die Frauen und die Kinder, sooft es geht und sie es wnschen, in die gesamte Ausbildung und Fortbildung mit ein. 

Die Zukunft der Kirche ist, wie das Testament Jesu es wollte, eine zutiefst diakonale, eine dienende Kirche. Allein schon um dieses Bewusstsein lebendig zu halten, freuen wir uns ber die wachsende Zahl an Anfragen und Bewerbungen.

von Msgr. Hans-Dieter Michel

Quelle: Der DOM, 2014-41