Die Jahrestagung der Diakone zur Immobilienstrategie des Erzbistums Paderborn begleiteten (v.l.n.r) Diakon Thomas Huneke, Diözesansprecher, Dr. Dirk Lenschen, Team Immobilienprozess, Diakon Thomas Rickert, Diakonenrat, Carmen Matery-Meding, Diözesanbaumeisterin, Pastor Andreas Kreutzmann, Diözesanbeauftragter, Diakon Jürgen Franke, stellv. Diözesansprecher, Diakon Stefan Nagels, Referent.
Paderborn, 12. September 2026. Wie können Kirchengebäude auch in Zukunft Orte des Glaubens, der Begegnung und der Gemeinschaft sein? Und was geschieht mit den zahlreichen sakralen Räumen, die angesichts des demografischen Wandels, sinkender Mitgliederzahlen und veränderter pastoraler Strukturen nicht dauerhaft in ihrer bisherigen Form erhalten werden können? Mit diesen Fragen beschäftigte sich die diesjährige Jahrestagung der Diakone im Erzbistum Paderborn unter dem Leitwort „Kirchen im Wandel – Zukunftsperspektiven für sakrale Räume“.
Im Haus Maria Immaculata in Paderborn kamen die Diakone zu einem Tag der Information, des Austauschs und der gemeinsamen Beratung zusammen. Die Tagung wurde unter der Leitung des Diözesanbeauftragten Pastor Andreas Kreutzmann und des Diakonenrates durchgeführt. Diakon Thomas Huneke und Diakon Jürgen Franke moderierten den Tag. Die Diakone Dietmar Kluss, Richard Knoke und Thomas Rickert begleiteten die Tagung mit geistlichen Impulsen.
Kirchengebäude zwischen Auftrag, Wandel und Zukunft
Diözesanbaumeisterin Carmen Matery-Meding
Im Mittelpunkt des Vormittags stand die Frage nach der zukünftigen Bedeutung kirchlicher Gebäude. Carmen Matery-Meding, Diözesanbaumeisterin des Erzbistums Paderborn, stellte die Immobilienstrategie des Erzbistums vor und erläuterte die Herausforderungen, die sich aus diesen Entwicklungen ergeben. Dabei ging es insbesondere um die Frage, wie pastorale Zielbilder in gebaute Wirklichkeit übersetzt werden können.
Eine verbindliche Auseinandersetzung mit dem vorhandenen Gebäudebestand sei dafür ebenso notwendig wie die Entwicklung langfristiger Nutzungskonzepte in den Pastoralen Räumen. Zur strategischen Betrachtung gehöre dabei ausdrücklich auch die Prüfung von Reduzierungen, Zusammenlegungen oder Aufgaben von Gebäuden. Gleichzeitig gehe es darum, für weiterhin benötigte Gebäude neue und gegebenenfalls hybride Nutzungsformen zu entwickeln.
Eine wesentliche Grundlage der Immobilienstrategie sei dabei, dass die Entscheidungshoheit bei den Kirchengemeinden vor Ort verbleibt. Die Entwicklung des Gebäudebestandes soll damit eng mit der pastoralen Situation und den konkreten Zukunftsperspektiven vor Ort verbunden werden.
Matery-Meding fasste die doppelte Bedeutung kirchlicher Immobilien mit einem zentralen Gedanken zusammen: „Kirchliche Immobilien sind sichtbare Zeichen für die Präsenz der Kirche in der Gesellschaft und damit missionarische Orte.“ Zugleich sei erkennbar, dass dauerhaft nicht alle heute vorhandenen Immobilien erhalten werden können und deshalb auch Umnutzungen bestehender Gebäude notwendig werden.
Kirchen als „Werkzeuge der Pastoral“
Dr. Dirk Lenschen, Team Immobilienberatung
Anschließend richtete Dr. Dirk Lenschen vom Team Theologische Beratung der Immobilienberatung den Blick stärker auf die pastorale Bedeutung kirchlicher Räume. Unter dem Titel „Kirchengebäude als Werkzeuge der Pastoral“ ging es um die Frage, welche Funktion Gebäude für eine Kirche im Wandel übernehmen können.
Dabei wurde auch die aktuelle öffentliche Debatte über die Zukunft von Kirchengebäuden aufgegriffen. Zwei unmittelbar aufeinanderfolgende Beiträge auf katholisch.de verdeutlichen die Spannung: Unter der Überschrift „Trennt euch von den Kirchen!“ wird angesichts sinkender Mitgliederzahlen und fehlender Nutzungsperspektiven für einen konsequenten Abschied von nicht mehr benötigten Gebäuden plädiert. Der Gegenbeitrag „Ohne Kirchen(gebäude) geht es nicht“ betont dagegen, dass Gemeinschaft verlässliche Räume brauche und Kirchen gerade angesichts einer zunehmend fragmentierten Gesellschaft wichtige Orte der Begegnung sein könnten.
Lenschen nahm diese Spannung zum Ausgangspunkt für die Diskussion: Kirchengebäude sind weder Selbstzweck noch lediglich eine finanzielle Last. Sie können vielmehr Werkzeuge der Pastoral sein, wenn ihre Nutzung aus dem kirchlichen Auftrag heraus gedacht wird. Dabei könne es künftig auch darum gehen, Kirchen stärker als offene Orte für Begegnung, Kultur, gesellschaftlichen Dialog und gelebte Nächstenliebe zu verstehen.
Transformation als gemeinsame Aufgabe
Gut 70 Diakone und Ehefrauen nahmen an der Jahrestagung der Diakone des Erzbistums Paderborn teil.
Nach dem Mittagessen richtete sich der Blick auf den Transformationsprozess des Erzbistums Paderborn. Pastor Andreas Kreutzmann gab Einblicke in aktuelle Fragestellungen des Veränderungsprozesses und informierte zugleich über die Situation des Diakonats im Erzbistum. Im Erzbistum Paderborn sind derzeit 170 Diakone und fünf Diakonatsbewerber tätig beziehungsweise in Ausbildung.
Weitere Einblicke erhielten die Diakone in die Arbeit der diözesanen Beratungsgremien. Diakon Thomas Huneke berichteten aus der Arbeit des Priesterrats und Diakon Jürgen Franke stellte aktuelle Themen und Entwicklungen aus dem Diözesanpastoralrat vor.
Mit einem geistlichen Abschluss endete die Jahrestagung am Nachmittag. Die gemeinsame Zeit machte Mut, die notwendigen Veränderungen nicht allein als Verlust zu betrachten, sondern auch als Einladung, die Zeichen der Zeit wahrzunehmen und gemeinsam nach den Wegen zu suchen, auf denen Kirche ihre Sendung in Zukunft leben kann.