Glaubenszeugnisse

„Licht“ und „Salz der Erde“ sein

Diakon Theo Breul, PV Elsen-Wewer

Diakon Theo Breul Hallo, Herr Breul, wie kamen Sie auf den Gedanken, Diakon zu werden?

Um zu erzhlen, wie es dazu kam, Diakon zu werden, msste ich bis in Kindheit und Jugendzeit zurckgreifen. Ich msste berichten, wie ich mein Elternhaus, das Leben in unserer damals sehr lebendigen Heimatpfarrei Herz-Jesu Paderborn erlebt habe, wie mich die mehr als zehnjhrige Messdienerttigkeit im Franziskanerkloster nicht nur beeindruckt, sondern nachhaltig geprgt hat. Das war bis dahin meine Lebensgeschichte, die mich auch dazu brachte, neben Erziehungswissenschaften das Fach Katholische Theologie fr das Lehramt zu studieren. Ich zielte eine Ttigkeit in der Erwachsenenbildung an, die damals – Ende der 1960, Anfang der 1970er Jahre – eine wahre Blte erfuhr und eine Flle attraktiver Arbeitspltze zu bieten schien.

Diakone gibt es im Erzbistum Paderborn bislang – von wenigen Ausnahmen abgesehen – ausschlielich im Nebenamt. Was haben Sie beruflich gemacht?

Ich trat 1973 meine Erwerbsttigkeit an beim Caritasverband fr das Erzbistum Paderborn, zustndig zunchst als Referatsleiter, 12 Jahre spter als Abteilungsleiter fr die katholischen Einrichtungen und Dienste, die im Erzbistum Paderborn Hilfen anbieten fr Eltern, Kinder, Jugendliche, Menschen mit Behinderungen. Da ging es um Koordinieren, Fortbilden, Motivieren, Beraten, Mitarbeiterfhrung. Uns allen, die wir da irgendwo eine Verantwortung bernommen haben, war klar: Menschen brauchen Orientierung, etwas, woran sie sich festhalten knnen, gerade dann, wenn es ihnen nicht gut geht. Und ein Weiteres kam hinzu: Wenn sich kirchliche Trger im Bereich der Jugend- oder der Behindertenhilfe engagieren, dann geht es nicht um bloe Marktinteressen oder Marktanteile, sondern immer auch darum, dieses Kirchliche in der sozialen Arbeit, die diese Trger verantworten, wohltuend durchscheinen zu lassen. Wo drauen katholisch oder christlich draufsteht, muss man es auch innen finden. So haben wir es oft formuliert. Deswegen muss in Caritas-Einrichtungen neben fachlich hohem Niveau immer auch weltoffen gestaltetes Christsein realisiert werden. Fr mich persnlich waren die Berichte von ehemaligen Heimkindern, die in katholischen Einrichtungen misshandelt und gedemtigt worden sind, um so bestrzender. Die letzten zehn Jahre meiner Berufsttigkeit beim Caritasverband habe ich u.a. mit der Aufarbeitung dieser Untaten verbringen mssen.

Hat Ihre berufliche Ttigkeit bei der Caritas Einfluss auf Ihren Entschluss gehabt, Diakon zu werden?

Kirchliche soziale Arbeit, wie ich sie in meiner Berufsttigkeit schlielich ber annhernd vierzig Jahre verrichtet habe, fhrte mich allmhlich, aber geradezu gradlinig zu der berlegung, Diakon werden zu wollen. Ich hatte inzwischen  gelesen, was engagierte Caritas-Mitarbeiter schon in den 1930er Jahren ber die Verbindung von Caritas und Diakonat gedacht und angestrebt haben. Als ich mit meiner Frau zum ersten Mal darber sprach, war ich Anfang 30, unsere Kinder noch ziemlich klein und zu Hause oft genug mehr los als nur der ganz normale Alltag. Ich kann mich noch gut erinnern, was meine Frau damals gesagt hat: „… kannst du gerne machen. Aber denk daran: Wenn mir mal was passiert, stehst du allein da mit den Kindern. Nochmal heiraten darfst du als Diakon ja nicht!“. Ich habe das beherzigt.

Und der Gedanke hat Sie nicht losgelassen?

Jahre spter – ich war Ende 40 – stand ich mit meinem Kollegen und Freund im Flur eines Paderborner Bildungshauses. Wir warteten auf einen Gastreferenten, den wir fr eine Fachtagung geladen hatten. Ich hrte mich pltzlich sagen: „Heute mache ich es.“ „Was machst du heute?“. „Ich melde mich zum Diakonat.“

Wie war es, Beruf und Diakonat unter einen Hut zu bringen?

Seither sind mehr als 18 Jahre vergangen. Sie brachten berwiegend Gutes, aber auch die ernchternde Erfahrung, als Diakon im Zivilberuf, also parallel zu einer vollen Berufsttigkeit, mavoll mit sich selbst umgehen zu mssen, sich und die Familie nicht zu berfordern. Ich wei, dass diese Erkenntnis in ihrer Abstraktion leichter formuliert als in der Praxis realisiert ist.  Noch schwerer und mitunter bedrckender musste ich sie fr mich erarbeiten.

Was bedeutet es fr Sie heute, Diakon zu sein?

Inzwischen hilft der Gedanke, dass der Diakon seine Aufgaben vor allem in der Kommunikation, in dem Miteinander der Menschen im Pastoralverbund sehen sollte. Er ist kein Hilfs-Liturge, der immer dann in Aktion tritt, wenn die Priester keine Zeit haben. Das griechische Wort diakonos bersetzt man auch besser nicht, wie man immer wieder hrt, mit „Diener“. „Diener“ suggeriert das Bild einer selbstlos disponiblen  Allzweckwaffe, verfg- und einsetzbar, wo und wie man sie gerade verplanen will. Diakonos bedeutet „der, der unter die Leute geht“. Und genau solche Menschen brauchen die Pastoralen Rume, die immer grer und in denen die Katholiken immer weniger werden. Nicht nur aus der Kirchengeschichte, auch aus eigenem Erleben ist bekannt, wie wichtig es fr das Christwerden und fr das Christsein ist, wahrgenommen, angenommen und als Mitmensch geschtzt zu werden. Die Botschaft Jesu muss mehr haben, als intellektuell zu passen; sie braucht Hand und Fu. Genau da ist – eigentlich in jeder Seelsorgeeinheit! – die Aufgabe des Diakons: fr Kommunikation, fr Miteinander sorgen, Beziehungsstifter, Kommunikator, Netzwerker, Motivator sein; der sein, der Menschen anstiftet, als getaufte Christen da, wo sie leben, „Licht“ und „Salz der Erde“ zu sein und auf ihre je eigene Weise ihren Weg zu finden und zu gehen.